Wärmepumpenmarkt

Ratgeber · 11 Minuten

Was kostet eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus wirklich?

Wer diese Frage in eine Suchmaschine tippt, bekommt Spannen von 15.000 bis 60.000 Euro – und jede davon ist für sich genommen belegbar. Der Grund ist banal: Die Quellen zählen Unterschiedliches mit. Dieser Artikel dreht die Frage deshalb um und geht von den Einzelposten aus, die auf Ihrem Angebot stehen werden.

Warum die Zahlen so weit auseinandergehen

Drei Angaben zur selben Wärmepumpe können alle stimmen und trotzdem um den Faktor drei auseinanderliegen. Die niedrigste nennt den Listenpreis des Geräts. Die mittlere rechnet Montage, Speicher und Inbetriebnahme dazu. Die höchste zählt außerdem alles mit, was im Bestand drumherum nötig wird – Elektrik, Fundament, einzelne Heizkörper, Entsorgung der Altanlage.

Hinzu kommt eine zweite Unsauberkeit: Manche Quellen nennen Preise vor Förderung, andere danach, und einige mischen beides innerhalb eines Absatzes. „Ab 8.770 Euro“ ist deshalb keine Falschaussage, sondern ein Eigenanteil im günstigsten denkbaren Fall – und als Planungsgröße unbrauchbar.

Die Positionsliste eines Angebots

Die folgende Aufstellung ist der Rahmen, in dem sich Angebote für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Einfamilienhaus bewegen. Die Spannen fassen mehrere unabhängige Marktübersichten zusammen; Ihr konkretes Angebot kann in einzelnen Zeilen darüber oder darunter liegen. Entscheidend ist nicht die einzelne Zahl, sondern ob die Zeile überhaupt vorkommt.

PositionTypische SpanneWovon es abhängt
Wärmepumpe (Gerät, außen und innen)10.000 – 20.000 €Leistung, Kältemittel, Hersteller, Modulation
Montage, Hydraulik, Inbetriebnahme2.000 – 8.000 €Leitungswege, Aufstellort, Region
Puffer- und Warmwasserspeicher1.500 – 3.500 €Volumen, ob ein Speicher übernommen werden kann
Elektroanschluss, ggf. neuer Zählerschrank1.000 – 5.000 €Alter der Hauselektrik, Zählerplatz, Netzanschluss
Fundament oder Wandkonsole außen500 – 1.500 €Untergrund, Schallentkopplung, Zuwegung
Hydraulischer Abgleich (Fördervoraussetzung)500 – 1.500 €Zahl der Heizkörper, Verfahren A oder B
Einzelne Heizkörper tauschen0 – 6.000 €Wie viele Räume bei 55 °C nicht warm werden
Demontage und Entsorgung der Altanlage500 – 2.000 €Öltank, Zugänglichkeit, Schadstoffe

Addiert ergibt das rechnerisch rund 16.000 Euro am unteren und knapp 48.000 Euro am oberen Ende. Genau daher stammt die Spanne, die im Netz kursiert. Der realistische Schwerpunkt für ein durchschnittliches Einfamilienhaus liegt bei etwa 30.000 Euro brutto – das ist auch der Wert, mit dem der Kostenvergleich auf dieser Seite standardmäßig rechnet.

Die teuerste Zeile ist nicht die Wärmepumpe, sondern die Summe der letzten vier. Wie viele Heizkörper tatsächlich getauscht werden müssen, lässt sich vorher raumweise ausrechnen; der Ratgeber zu den Heizkörpern für die Wärmepumpe zeigt die Umrechnung. Und ob Ihr Haus überhaupt mit niedriger Vorlauftemperatur auskommt, verrät ein einfacher Versuch an einem kalten Tag, beschrieben im Artikel zur Wärmepumpe im Altbau.

Erdwärme: was die Bohrung kostet

Die Sole-Wasser-Wärmepumpe arbeitet effizienter, weil ihre Quelle im Winter nicht auf minus zehn Grad fällt. Das Gerät selbst ist dabei nicht teurer als eine Luft-Wärmepumpe, oft sogar etwas günstiger. Der Unterschied steckt vollständig in der Erschließung.

Marktübersichten nennen für die Erdsondenbohrung grob 60 bis 120 Euro je Bohrmeter, abhängig vom Untergrund – Festgestein kostet mehr als weiches Sediment. Für ein Einfamilienhaus mit rund zehn Kilowatt Heizlast werden je nach Auslegung etwa 150 bis 250 Bohrmeter genannt. Daraus folgt eine sehr breite Spanne von rund 9.000 bis 30.000 Euro allein für die Bohrung, dazu eine wasserrechtliche Erlaubnis der unteren Wasserbehörde im niedrigen dreistelligen Bereich. Flächenkollektoren sind günstiger, brauchen aber unbebaute Gartenfläche in der Größenordnung des beheizten Hauses.

Die ehrliche Konsequenz: Der Mehrpreis der Erdwärme ist im Voraus schlecht kalkulierbar, weil er vom Untergrund abhängt, den niemand vor dem ersten Angebot des Bohrunternehmens kennt. Holen Sie das Bohrangebot deshalb getrennt und früh ein. Fällt es niedrig aus, ist die Erdwärme im verbrauchsstarken Altbau eine sehr gute Wahl. Fällt es hoch aus, ist die Luft-Wärmepumpe mit sorgfältig abgesenkter Heizkurve meist die wirtschaftlichere Entscheidung.

Der Förderdeckel und seine harte Kante

Über die Fördersätze wird viel geschrieben, über die Bemessungsgrundlage zu wenig. Im Einfamilienhaus sind höchstens 28.000 Euro Investitionskosten förderfähig. Alles darüber ist nicht etwa geringer gefördert – es ist gar nicht gefördert.

BruttoinvestitionFörderfähigZuschuss bei 46 %EigenanteilEffektiver Fördersatz
24.000 €24.000 €11.040 €12.960 €46,0 %
28.000 €28.000 €12.880 €15.120 €46,0 %
34.000 €28.000 €12.880 €21.120 €37,9 %
40.000 €28.000 €12.880 €27.120 €32,2 %
48.000 €28.000 €12.880 €35.120 €26,8 %

Die 46 Prozent in dieser Tabelle stehen für den häufigsten Fall: 30 Prozent Grundförderung plus 16 Prozent Klimageschwindigkeitsbonus für den Austausch einer alten Öl- oder einer mindestens zwanzig Jahre alten Gasheizung, bei Selbstnutzung. Ohne den Klimabonus bleiben 30 Prozent, mit zusätzlichem Einkommensbonus sind es bis zu 76 Prozent – immer bezogen auf höchstens 28.000 Euro.

Für die Angebotsprüfung folgt daraus eine unbequeme, aber nützliche Regel: Oberhalb von 28.000 Euro verhandeln Sie mit vollem eigenem Geld. Ein Aufpreis von 6.000 Euro für ein komfortableres Modell kostet Sie dort tatsächlich 6.000 Euro, nicht 3.240.

Passender RechnerIhren Zuschuss mit allen Boni durchrechnenDer Förderrechner prüft jeden Baustein einzeln, berücksichtigt das Antragsdatum für den abschmelzenden Klimabonus und zeigt getrennt aus, welcher Teil Ihrer Investition über der Höchstgrenze liegt.

Drei Häuser, eine Rechnung

Statt eines Durchschnittshauses drei konkrete, die sich in dem unterscheiden, worauf es ankommt: Wärmebedarf und erreichbare Jahresarbeitszahl. Alle drei ersetzen eine über zwanzig Jahre alte fossile Heizung, werden selbst bewohnt und erhalten damit 46 Prozent auf die förderfähigen Kosten.

 Haus A: gut vorbereitetHaus B: der RegelfallHaus C: schwierig
Gebäude130 m², Baujahr 1998150 m², Baujahr 1975, teilsaniert180 m², Baujahr 1962, kaum saniert
Wärmebedarf13.000 kWh20.000 kWh30.000 kWh
Jahresarbeitszahl4,03,42,9
Investition brutto27.000 €34.500 €40.000 €
davon förderfähig27.000 €28.000 €28.000 €
Zuschuss (46 %)12.420 €12.880 €12.880 €
Eigenanteil14.580 €21.620 €27.120 €
Strombedarf im Jahr3.250 kWh5.882 kWh10.345 kWh
Betriebskosten Jahr 1rund 1.010 €rund 1.670 €rund 2.790 €

Haus B zeigt den Deckeleffekt am deutlichsten: In den 34.500 Euro stecken 2.500 Euro für den Tausch von vier Heizkörpern – und die erhöhen den Zuschuss um keinen einzigen Euro, weil die Investition auch ohne sie schon über der Fördergrenze liegt. Haus C liegt 12.000 Euro darüber; sein effektiver Fördersatz sinkt damit auf 32 Prozent, obwohl im Bescheid 46 Prozent stehen.

Die Betriebskosten enthalten Wärmepumpenstrom zu 25 ct/kWh und 200 Euro Wartung. Wer keinen separaten Wärmepumpentarif nutzt, rechnet mit dem Haushaltsstrompreis und liegt spürbar höher; wie sich der Strombedarf selbst nachrechnen und senken lässt, steht im Ratgeber zum Stromverbrauch einer Wärmepumpe.

Was danach kommt: zwanzig Jahre Betrieb

Die Investition ist der sichtbare Teil der Kosten, aber über zwanzig Jahre ist sie in allen drei Häusern der kleinere: Den Ausschlag gibt der Betrieb. Der faire Vergleich ist deshalb nicht „Wärmepumpe gegen nichts“, sondern Wärmepumpe gegen eine neue Gas-Brennwertheizung für rund 14.000 Euro, die ohne Förderung auskommen muss.

Über 20 JahreHaus AHaus BHaus C
Wärmepumpe gesamt38.300 €61.300 €94.000 €
Neue Gasheizung gesamt72.400 €101.000 €141.700 €
Vorsprung der Wärmepumpe34.100 €39.600 €47.800 €
Ab Jahr günstiger167

Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Haus C, das teuerste und ineffizienteste, hat den größten absoluten Vorsprung – weil der Vorsprung mit dem Verbrauch wächst, nicht mit der Effizienz. Zweitens: Der CO₂-Preis trägt dazu erheblich bei. Im Haus B kostet er im ersten Jahr rund 280 Euro und im zehnten rund 780 Euro; die jährlichen Gaskosten steigen dort von rund 2.860 auf rund 6.010 Euro, während die Wärmepumpe von 1.670 auf 2.340 Euro klettert.

Passender RechnerMit Ihren eigenen Preisannahmen nachrechnenDer Kostenvergleich stellt Wärmepumpe, Gas, Öl und Pellets über die gesamte Nutzungsdauer gegenüber. Energiepreise, Preissteigerung und Laufzeit sind frei änderbar – so sehen Sie sofort, wie empfindlich das Ergebnis auf Ihre Annahmen reagiert.

Wann die Rechnung kippt

Drei Fälle, in denen der Vorsprung schrumpft oder verschwindet – sie gehören in jede ehrliche Kostenbetrachtung:

  1. Der alte Kessel läuft noch. Dann entfällt auf der Gasseite die Investition, und nur die Betriebskosten zählen. Im Haus B verschiebt sich der Punkt, ab dem die Wärmepumpe insgesamt günstiger ist, dadurch von Jahr sechs auf Jahr elf. Der Umstieg lohnt weiterhin, aber er ist keine kurzfristige Sparmaßnahme.
  2. Kein Wärmepumpentarif. Wer den Haushaltstarif nutzt, zahlt je Kilowattstunde deutlich mehr. Bei 10.000 Kilowattstunden Strombedarf wie im Haus C macht das im ersten Jahr mehrere hundert Euro aus – über zwanzig Jahre wird daraus ein fünfstelliger Betrag.
  3. Eine schlecht eingestellte Anlage. Zwischen Arbeitszahl 2,9 und 3,4 liegen im Haus C rund 1.500 Kilowattstunden Strom im Jahr. Die Heizkurve ist der einzige Hebel, der das ohne Investition korrigiert – wie das über eine Heizperiode gelingt, beschreibt der Ratgeber zum Einstellen der Heizkurve.

Umgekehrt fehlt in den Zahlen ein Posten, der die Gasseite noch teurer machen wird: Seit dem Gebäudemodernisierungsgesetz gilt für neu eingebaute fossile Heizungen ab 2029 eine stufenweise steigende Beimischungspflicht für erneuerbare Brennstoffe. Was das kostet, ist heute nicht seriös zu beziffern – dass es etwas kostet, schon. Die Einzelheiten stehen im Artikel zum Gebäudemodernisierungsgesetz.

Fünf Prüfungen für jedes Angebot

  1. Heizlast nach Norm, nicht nach Faustformel. Ein Angebot ohne raumweise Heizlastberechnung legt die Maschine über den Daumen aus. Überdimensionierte Geräte takten, takten kostet Arbeitszahl, und Arbeitszahl ist bares Geld in jedem der zwanzig Jahre.
  2. Auslegungsvorlauftemperatur im Angebot. Sie muss dort als Zahl stehen. 55 °C sind im Bestand ein guter Wert, 35 °C ein sehr guter, 65 °C ein Warnsignal.
  3. Alle acht Positionen abgefragt. Gehen Sie die Tabelle oben durch und lassen Sie fehlende Zeilen ergänzen – notfalls mit einer ehrlichen Spanne statt einer Zahl.
  4. Die 28.000-Euro-Kante kennen. Prüfen Sie bei jedem Aufpreis, ob Sie noch unter oder schon über der Fördergrenze verhandeln. Darüber kostet jeder Euro einen Euro.
  5. Drei Angebote, gleiche Grundlage. Vergleichbar werden sie nur, wenn allen dieselbe Heizlast, dieselbe Vorlauftemperatur und derselbe Leistungsumfang zugrunde liegen. Sonst vergleichen Sie Annahmen, nicht Preise.

Häufige Fragen

Was kostet eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus im Durchschnitt?

Für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive Montage und der üblichen Nebenarbeiten liegt der Bruttopreis im Einfamilienhaus meist zwischen 22.000 und 42.000 Euro, mit einem Schwerpunkt um 30.000 Euro. Die weit auseinandergehenden Angaben im Netz – von 15.000 bis über 60.000 Euro – entstehen vor allem dadurch, dass manche Quellen nur das Gerät zählen, andere Gerät plus Montage, wieder andere zusätzlich Speicher, Elektroarbeiten und den Tausch einzelner Heizkörper. Ein Preis ohne Angabe, was darin enthalten ist, sagt deshalb wenig.

Wie viel bleibt nach Abzug der Förderung übrig?

Das hängt weniger vom Fördersatz ab als vom Deckel. Gefördert werden im Einfamilienhaus höchstens 28.000 Euro Investitionskosten. Bei 30 Prozent Grundförderung plus 16 Prozent Klimageschwindigkeitsbonus ergibt das höchstens 12.880 Euro Zuschuss. Kostet die Anlage 27.000 Euro, bleiben rund 14.600 Euro Eigenanteil; kostet sie 40.000 Euro, sind es rund 27.100 Euro – denn jeder Euro oberhalb von 28.000 Euro wird voll selbst getragen.

Welche Kostenpositionen werden in Angeboten am häufigsten vergessen?

Drei fallen besonders auf: der Zählerschrank samt eigenem Stromkreis, wenn die Hauselektrik älter ist; das Fundament oder die Wandkonsole für die Außeneinheit; und der Tausch einzelner Heizkörper in den Räumen, die mit niedriger Vorlauftemperatur nicht warm werden. Zusammen können diese Positionen je nach Gebäudezustand einige tausend Euro ausmachen. Der hydraulische Abgleich ist Fördervoraussetzung und gehört ohnehin ins Angebot – fehlt er dort, fehlt auch die Förderfähigkeit.

Lohnt sich eine Erdwärmepumpe trotz der Bohrung?

Rechnerisch dann, wenn der Wärmebedarf hoch und die Laufzeit lang ist. Die Erdsonde liefert ganzjährig eine gleichmäßige Quellentemperatur und hebt die Jahresarbeitszahl gegenüber der Luft-Wärmepumpe deutlich an. Dem stehen Bohrkosten gegenüber, die je nach Untergrund und Bohrtiefe stark schwanken; Marktübersichten nennen grob 60 bis 120 Euro je Bohrmeter, dazu eine wasserrechtliche Erlaubnis. Im gut gedämmten Haus mit kleinem Bedarf spielt die Bohrung ihre Mehrkosten über die Lebensdauer meist nicht ein, im großen Altbau mit hohem Verbrauch häufig schon.

Rechnet sich der Umstieg auch, wenn die alte Gasheizung noch läuft?

Ja, aber deutlich später. Wer eine ohnehin fällige Heizung ersetzt, vergleicht die Wärmepumpe mit einer neuen Gasheizung – und spart dann schon die Investition für den Kessel zum Teil ein. Wer dagegen einen funktionierenden Kessel vorzeitig stilllegt, hat auf der Gasseite keine Investition und nur die laufenden Kosten. Im mittleren Beispielhaus dieses Artikels verschiebt sich der Punkt, ab dem die Wärmepumpe insgesamt günstiger ist, dadurch von rund sechs auf rund elf Jahre.

Wie verlässlich sind Kostenrechnungen über 20 Jahre?

Die Investition und die heutigen Energiepreise sind belastbar, alles danach ist eine begründete Annahme. Die Rechnungen hier unterstellen 2 Prozent jährliche Steigerung beim Strom, 3,5 Prozent beim Erdgas und den gesetzlich vorgezeichneten CO₂-Preispfad. Fällt der Gaspreis dauerhaft oder steigt der Strompreis stärker, schrumpft der Vorsprung. Umgekehrt ist die ab 2029 greifende Beimischungspflicht für fossile Heizungen in den Zahlen noch gar nicht enthalten. Wer sicher gehen will, prüft das Ergebnis mit eigenen Preisannahmen im Rechner nach.