Wärmepumpenmarkt

Ratgeber · 8 Minuten

Wärmepumpe mit Photovoltaik: Was die Kombination wirklich bringt

„Heizen Sie mit der Sonne“ ist ein schönes Verkaufsargument – und eine halbe Wahrheit. Die Kombination lohnt sich, aber aus anderen Gründen und in anderer Größenordnung, als die Werbung suggeriert. Hier sind die ehrlichen Zahlen.

Die Winterlücke in Zahlen

Das Grundproblem ist ein Kalenderproblem. Eine typische 10-Kilowatt-Anlage erzeugt in Deutschland rund 9.500 bis 10.500 Kilowattstunden im Jahr – davon entfallen auf Dezember und Januar zusammen aber nur grob sechs bis acht Prozent, oft wolkenbedingt noch weniger. Die Wärmepumpe hat den entgegengesetzten Rhythmus: Sie braucht 70 bis 80 Prozent ihres Jahresstroms in der Heizperiode, den größten Teil davon in den dunkelsten Monaten.

Das heißt nicht, dass die Kombination unsinnig wäre – im Gegenteil. Es heißt nur: Die Wärmepumpe muss wirtschaftlich funktionieren, als gäbe es das Solardach nicht. Alles, was die Photovoltaik beisteuert, ist eine echte, aber begrenzte Zugabe.

Realistische Deckungsgrade

Wie viel Wärmepumpenstrom kommt tatsächlich vom eigenen Dach? Die Praxiswerte für ein Einfamilienhaus mit üblicher Dachanlage:

KonstellationSolaranteil am WP-Strom (ca.)
PV ohne Speicher, ohne Steuerung15–25 %
PV mit Überschusssteuerung (SG-Ready)20–35 %
PV mit Speicher und Steuerung30–45 %

Die Spannen sind bewusst breit – Dachausrichtung, Anlagengröße, Wärmebedarf und Nutzerverhalten streuen stark. Wer Ihnen „70 Prozent solare Deckung“ für die Heizung verspricht, rechnet entweder nur die Übergangszeit oder gar nicht.

Was das in Euro bedeutet

Der Wert jeder solar gedeckten Kilowattstunde ist die Differenz zwischen Ihrem Strompreis und der entgangenen Einspeisevergütung – denn den Überschuss hätten Sie sonst für knapp 8 Cent verkauft. Ein durchgerechnetes Beispiel:

  • Wärmepumpenverbrauch: 6.000 kWh im Jahr
  • Solar gedeckt mit Steuerung: 30 % = 1.800 kWh
  • Ersparnis je kWh: 25 Cent Bezugspreis − 8 Cent entgangene Vergütung = 17 Cent
  • Ersparnis im Jahr: rund 300 Euro

Das ist solides, wiederkehrendes Geld – aber es ist keine Größenordnung, die eine schlecht geplante Wärmepumpe rettet oder eine Photovoltaikanlage allein rechtfertigt. Zum Vergleich: Zehn Grad weniger Vorlauftemperatur sparen bei derselben Anlage etwa 400 Euro im Jahr. Die Rangfolge der Hebel bleibt: erst die Wärmepumpe richtig auslegen, dann die Photovoltaik als eigenständig sinnvolle Investition dazu.

Passender RechnerWirtschaftlichkeit selbst durchrechnenDer Kostenrechner vergleicht Wärmepumpe und fossile Heizung über 20 Jahre – Sie können den Strompreis frei setzen und so den Solareffekt als günstigeren Mischpreis abbilden.

Überschuss klug nutzen: SG-Ready

Damit die Wärmepumpe Solarstrom überhaupt gezielt nutzt, brauchen beide eine Verbindung. Der Standard dafür heißt „SG-Ready“: Ein Energiemanager erkennt Überschuss am Zähler und gibt der Wärmepumpe das Signal, jetzt zu laufen. Das Gerät hebt dann Warmwasser- oder Puffertemperatur um einige Grad an – es speichert Sonnenstrom als Wärme für den Abend.

Zwei ehrliche Einschränkungen gehören dazu. Erstens: Das Label haben fast alle aktuellen Geräte, aber die Ansteuerung muss der Fachbetrieb aktiv einrichten und einstellen – fragen Sie ausdrücklich danach. Zweitens: Übertreiben lohnt nicht. Wer den Speicher mittags um zwanzig Grad überhöht, verheizt einen Teil des Gewinns über Speicherverluste und schlechtere Arbeitszahl bei höherer Temperatur. Wenige Grad Anhebung sind der sinnvolle Rahmen.

Die richtige Planungsreihenfolge

  1. Wärmepumpe eigenständig auslegen. Heizlast, Vorlauftemperatur, Größe – ohne jede Solar-Annahme. Der Eignungs-Check und der Heizlastrechner liefern die Grundlage.
  2. Photovoltaik eigenständig rechnen. Dach sinnvoll voll belegen; die Anlage muss sich über Eigenverbrauch und Einspeisung selbst tragen.
  3. Die Verbindung mitplanen. Energiemanager, SG-Ready-Ansteuerung und passender Zählerplatz kosten im Paket wenig – nachgerüstet deutlich mehr.
  4. Kombi-Angebote kritisch lesen. Pakete aus einer Hand sind bequem, verstecken aber gern Quersubventionen. Lassen Sie sich beide Gewerke einzeln ausweisen und vergleichen Sie getrennt.

Häufige Fragen

Kann ich meine Wärmepumpe komplett mit eigenem Solarstrom betreiben?

Über das Jahr gerechnet nein. Die Wärmepumpe braucht rund drei Viertel ihres Stroms zwischen November und März – genau dann liefert die Photovoltaikanlage am wenigsten. Realistisch deckt eine typische Dachanlage 20 bis 35 Prozent des Wärmepumpenstroms, mit Batteriespeicher etwas mehr. Vollständige Autarkie scheitert nicht an der Anlagengröße, sondern am deutschen Winter.

Was bedeutet SG-Ready?

„Smart Grid Ready“ ist eine standardisierte Schnittstelle, über die ein Energiemanager der Wärmepumpe signalisieren kann: Jetzt gibt es Überschussstrom, lauf los. Die Wärmepumpe heizt dann Pufferspeicher oder Warmwasser etwas höher auf und speichert Solarstrom als Wärme. Praktisch alle aktuellen Geräte haben das Label; entscheidend ist, dass der Fachbetrieb die Ansteuerung tatsächlich einrichtet – das Label allein tut nichts.

Lohnt sich ein Batteriespeicher wegen der Wärmepumpe?

Rechnen Sie den Speicher unabhängig von der Wärmepumpe. In der Übergangszeit verschiebt er Solarstrom vom Tag in den Abend und hilft auch der Wärmepumpe; im tiefen Winter ist schlicht zu wenig Überschuss da, den er speichern könnte. Ob sich ein Speicher trägt, hängt an seinem Preis pro Kilowattstunde, Ihrem Abendverbrauch und dem Strompreis – die Wärmepumpe verbessert die Rechnung nur am Rand.

Sollte ich die Photovoltaikanlage größer planen, weil eine Wärmepumpe kommt?

Ja, wenn das Dach es hergibt – aber aus dem richtigen Grund. Jede zusätzliche Kilowattstunde Solarstrom lohnt sich vor allem über Eigenverbrauch und Einspeisevergütung insgesamt, nicht speziell wegen der Wärmepumpe. Die Faustregel lautet: das verfügbare Dach sinnvoll voll belegen, statt die Anlage künstlich auf den Wärmepumpenverbrauch zu optimieren. Die Winterlücke schließt auch die doppelte Anlagengröße nicht.

Wärmepumpe oder Photovoltaik zuerst?

Wenn die alte Heizung noch läuft und das Budget nur für eines reicht: die Photovoltaik zuerst, denn sie rechnet sich eigenständig und ist schnell installiert. Steht der Heizungstausch ohnehin an, spricht nichts gegen beides zusammen – aber planen Sie die Wärmepumpe so, als gäbe es die Photovoltaik nicht. Eine Anlage, die nur mit Solarstrom-Annahmen schöngerechnet wurde, ist im Januar eine teure Anlage.