Wärmepumpenmarkt

Ratgeber · 9 Minuten

Heizkörper für die Wärmepumpe: welche passen, welche bleiben können

„Für eine Wärmepumpe brauchen Sie neue Heizkörper“ ist der teuerste Satz in vielen Beratungsgesprächen – und meist nur für zwei oder drei Räume richtig. Welche das sind, können Sie mit einer einzigen Formel und den Datenblättern Ihrer Heizkörper selbst herausfinden.

Die richtige Reihenfolge

Ein Heizkörper ist ein Wärmetauscher: Er gibt umso mehr Leistung ab, je größer der Temperaturunterschied zwischen Heizwasser und Raumluft ist. Senkt eine Wärmepumpe die Vorlauftemperatur von 70 auf 55 Grad, schrumpft dieser Unterschied – und damit die Leistung, oft auf die Hälfte. Genau daraus entsteht der Satz von den neuen Heizkörpern.

Der Satz übersieht allerdings, wie Heizkörper im Bestand dimensioniert wurden: nach dem Dämmzustand des Hauses zum Einbauzeitpunkt und in der Praxis mit reichlich Zuschlag. Wer seitdem Fenster getauscht, das Dach oder die Kellerdecke gedämmt hat, hat die Heizlast seiner Räume um 10 bis 20 Prozent je Maßnahme gesenkt – die Heizkörper aber behalten. Diese Reserve ist der Grund, weshalb so viele Bestandsgebäude überhaupt ohne Umbau wärmepumpentauglich sind.

Bevor Sie rechnen, sollten Sie messen. Der 50-Grad-Test zeigt an einem kalten Wochenende, welche Räume mit gedrosseltem Vorlauf warm werden und welche nicht. Er ersetzt die Rechnung nicht, aber er sagt Ihnen, wo Sie genauer hinschauen müssen – und er kostet nichts.

Die Formel, mit der Sie jeden Heizkörper prüfen

Auf jedem Datenblatt steht eine Normleistung. Sie gilt nach DIN EN 442 für 75 Grad Vorlauf, 65 Grad Rücklauf und 20 Grad Raumtemperatur – Bedingungen, unter denen eine Wärmepumpe nie arbeitet. Für die Umrechnung auf Ihre Zieltemperatur brauchen Sie die mittlere logarithmische Übertemperatur:

Der Exponent 1,3 beschreibt, wie stark ein Heizkörper auf Temperaturänderungen reagiert; Datenblätter nennen dafür Werte um 1,25 bis 1,35. Wer sich das Rechnen sparen will, nimmt die Faktoren aus dieser Tabelle – jeweils bezogen auf die Normleistung und eine Spreizung von 10 Kelvin:

Vorlauf / RücklaufÜbertemperaturAnteil der Normleistung
75 / 65 °C (Norm)49,8 K100 %
65 / 55 °C39,8 Krund 75 %
60 / 50 °C34,8 Krund 63 %
55 / 45 °C29,7 Krund 51 %
50 / 40 °C24,7 Krund 40 %
45 / 35 °C19,6 Krund 30 %
40 / 30 °C14,4 Krund 20 %

Die Tabelle ist die eigentliche Antwort auf die Frage nach den Heizkörpern: Für 55 Grad Vorlauf brauchen Sie etwa die doppelte, für 45 Grad etwa die dreifache Normleistung gegenüber der Raumheizlast. Alles andere ist Ausführungsdetail.

Rechenbeispiel: ein Wohnzimmer

Ein Wohnzimmer mit 20 Quadratmetern in einem Haus der Baujahre 1958 bis 1978, bei dem Fenster und Dach erneuert wurden. Unser Heizlastrechner setzt für diese Baualtersklasse 130 Watt je Quadratmeter an und zieht für die beiden Maßnahmen 12 und 15 Prozent ab – bleiben rund 95 Watt je Quadratmeter, für den Raum also etwa 1.900 Watt. Der vorhandene Heizkörper ist ein Typ 22, 600 Millimeter hoch und 1,40 Meter lang; nach Herstellertabelle sind das rund 2.370 Watt Normleistung.

  1. Zieltemperatur festlegen: 55/45 Grad – der Bereich, in dem eine Luft-Wasser-Wärmepumpe noch wirtschaftlich arbeitet.
  2. Umrechnen: 2.370 Watt × 0,51 = rund 1.210 Watt.
  3. Vergleichen: 1.210 Watt gegen 1.900 Watt Heizlast – dem Heizkörper fehlt rund ein Drittel.
  4. Ersatz suchen: Ein Typ 33 gleicher Höhe und Länge käme auf rund 1.720 Watt und wäre noch knapp. Mit 1,60 Meter Länge sind es rund 1.970 Watt – das passt.

Bemerkenswert ist, was dabei nicht passiert: Der Heizkörper wird nicht höher und nur 20 Zentimeter länger. Er wird vor allem tiefer. Genau deshalb ist der Tausch in den meisten Räumen eine Frage von zwei Stunden Montage und nicht von Umbaumaßnahmen.

Und die Gegenprobe lohnt: Dasselbe Zimmer in einem Haus von 1990 mit erneuerten Fenstern kommt auf rund 88 Watt je Quadratmeter und 1.760 Watt Heizlast – der vorhandene Typ 22 reicht auch dort nicht. Ein Kinderzimmer mit 12 Quadratmetern und demselben Heizkörper braucht dagegen nur rund 1.140 Watt – dort darf der Typ 22 hängen bleiben, ohne große Reserve, aber ausreichend. Zwei Räume, zwei Ergebnisse: Deshalb wird raumweise gerechnet und nicht pauschal getauscht.

Passender RechnerHeizlast Ihres Hauses ermittelnAus Ihrem Gas- oder Ölverbrauch der Vorjahre wird die tatsächliche Heizlast – die Ausgangszahl für jede Heizkörperrechnung, mit vollständigem Rechenweg.

Welcher Typ ersetzt welchen

Die Typbezeichnung eines Flachheizkörpers verrät seinen Aufbau: Die erste Ziffer nennt die Zahl der wasserführenden Platten, die zweite die Zahl der dazwischenliegenden Konvektorblechlagen. Ein Typ 33 hat also drei Platten und drei Blechlagen – mehr Fläche auf gleicher Ansichtsgröße, dafür rund 15 Zentimeter Bautiefe. Zur Größenordnung, jeweils 600 Millimeter hoch und einen Meter lang, Werte einer verbreiteten Baureihe (andere Hersteller weichen um einige Prozent ab):

TypNormleistung 75/65bei 55/45
Typ 11 (eine Platte)rund 1.000 Wrund 510 W
Typ 22 (zwei Platten)rund 1.690 Wrund 860 W
Typ 33 (drei Platten)rund 2.410 Wrund 1.230 W

Der Weg von Typ 22 auf Typ 33 bringt also rund 40 Prozent mehr Leistung ohne einen Zentimeter mehr Wandfläche – die wirtschaftlichste Maßnahme am Heizkörper überhaupt. Alte Glieder- und Röhrenheizkörper haben demgegenüber oft überraschend viel Fläche und schlagen sich bei niedrigen Temperaturen besser als ihr Ruf; für sie gibt es Austauschmodelle mit passendem Nabenabstand, falls sie doch zu klein sind.

Zwei Details entscheiden über den Montageaufwand: Ventilheizkörper mit Mittenanschluss lassen sich an bestehende Anschlüsse anpassen, und die Anschlussabstände älterer Heizkörper passen selten zum Neuen. Rechnen Sie in einigen Räumen mit Rohranpassungen – das ist der Posten, der Angebote auseinandertreibt.

Gebläsekonvektoren: Leistung gegen Komfort

Wo selbst ein Typ 33 nicht reicht, weil die Wand zu schmal ist oder die Zieltemperatur unter 40 Grad liegen soll, bleiben Gebläsekonvektoren – Wärmetauscher mit Ventilator, oft als „Wärmepumpen-Heizkörper“ verkauft. Sie holen aus derselben Baugröße ein Vielfaches an Leistung und können im Sommer kühlen.

Der Preis dafür ist Komfort, nicht Geld: Der Ventilator braucht Strom, bewegt Luft und ist hörbar. Was im Wohnzimmer niemandem auffällt, kann im Schlafzimmer störend sein – besonders, wenn der Lüfter taktet statt gleichmäßig langsam zu laufen. Dazu kommen Filterreinigung ein- bis zweimal im Jahr und, wenn Sie über die Geräte kühlen wollen, ein Kondensatablauf. Als Einzellösung für ein oder zwei Problemräume sind sie sinnvoll; als Konzept für das ganze Haus sind sie meist der Hinweis darauf, dass die Zieltemperatur zu ambitioniert gewählt wurde.

Kosten, Förderung und was der Tausch spart

Ein Flachheizkörper kostet im Handel je nach Größe und Ausführung rund 150 bis 350 Euro. Mit Demontage, Montage, Entsorgung und Entlüften liegen die Gesamtkosten je Stück meist zwischen 350 und 900 Euro; Rohranpassungen schlagen zusätzlich mit 50 bis 250 Euro zu Buche. Für die typischen zwei bis vier Räume, in denen wirklich getauscht werden muss, landen Sie damit bei etwa 1.500 bis 3.500 Euro.

Dieser Betrag ist förderfähig: Die Anpassung des Wärmeverteilsystems gehört zu den Umfeldmaßnahmen der Heizungsförderung und wird mit demselben Satz bezuschusst wie die Wärmepumpe – mindestens 30 Prozent, mit Boni mehr. Wichtig ist die Deckelung: Förderfähig sind für die erste Wohneinheit 28.000 Euro, und wer diese Summe mit der Anlage schon ausschöpft, bekommt für die Heizkörper nichts mehr obendrauf.

Der Nutzen lässt sich abschätzen. Als Faustregel spart jedes Grad weniger Vorlauftemperatur rund zweieinhalb Prozent Strom. Wer durch zwei, drei getauschte Heizkörper von 65 auf 55 Grad Auslegungstemperatur kommt, senkt den Stromverbrauch also um grob ein Viertel. Bei einem Haus mit 6.000 Kilowattstunden Wärmepumpenstrom im Jahr und 25 Cent je Kilowattstunde sind das rund 375 Euro jährlich – gegen einen Eigenanteil, der nach Förderung häufig unter 1.500 Euro liegt. Solche Amortisationen von wenigen Jahren erreicht am Haus sonst kaum eine Maßnahme.

Passender RechnerZuschuss inklusive Umfeldmaßnahmen berechnenDer Förderrechner prüft jeden Bonus für Ihre Situation und zeigt, welcher Anteil Ihrer Investition über der förderfähigen Höchstgrenze liegt.

Fünf Fehler, die teuer werden

  1. Pauschal alles tauschen. Der häufigste und teuerste Fehler. Ohne raumweise Rechnung werden Heizkörper ersetzt, die bei 55 Grad längst genug Reserve haben.
  2. Nach Normleistung kaufen. „2.400 Watt“ auf dem Etikett sind bei 55/45 Grad rund 1.230 Watt. Wer die Umrechnung überspringt, kauft systematisch zu klein.
  3. Die Reihenfolge umdrehen. Sind Fenstertausch oder Dachdämmung ohnehin geplant, sinkt die Heizlast danach weiter – erst die Hülle, dann die Heizflächen auslegen, sonst zahlen Sie zweimal.
  4. Den Abgleich weglassen. Neue Heizkörper ohne hydraulischen Abgleich und passende Ventileinsätze bringen einen Teil ihrer Wirkung nicht auf die Straße – und der Abgleich ist ohnehin Fördervoraussetzung.
  5. Die Heizkurve nicht absenken. Der Tausch spart erst dann Strom, wenn die Regelung die niedrigere Vorlauftemperatur tatsächlich fährt. Prüfen Sie das im ersten Winter nach der Inbetriebnahme.

Häufige Fragen

Muss ich für eine Wärmepumpe alle Heizkörper austauschen?

Nein, und in den meisten Bestandsgebäuden wäre es Geldverschwendung. Heizkörper wurden bei Einbau für den damaligen, schlechteren Dämmzustand ausgelegt – wer seitdem Fenster oder Dach erneuert hat, besitzt in vielen Räumen bereits Reserve. Rechnen Sie deshalb raumweise nach: Meist bleiben zwei bis vier Räume übrig, in denen der Heizkörper bei niedriger Vorlauftemperatur zu klein wird. Nur diese werden getauscht.

Welcher Heizkörpertyp ist für eine Wärmepumpe der richtige?

In der Regel ein Flachheizkörper vom Typ 33, also mit drei Platten und drei Konvektorblechen. Er passt in dieselbe Nische wie ein Typ 22, liefert aber bei gleicher Höhe und Länge rund 40 Prozent mehr Leistung. Wo selbst das nicht genügt oder die Wand zu schmal ist, kommen Gebläsekonvektoren infrage. Spezielle „Wärmepumpen-Heizkörper“ sind technisch nichts anderes als große Heizflächen oder Konvektoren mit Ventilator – der Name allein rechtfertigt keinen Aufpreis.

Wie viel größer muss ein Heizkörper für die Wärmepumpe sein?

Das hängt allein von der Zieltemperatur ab. Bei 55 Grad Vorlauf und 45 Grad Rücklauf gibt ein Heizkörper rund die Hälfte seiner Normleistung ab, bei 45/35 nur noch etwa 30 Prozent. Für 55 Grad brauchen Sie also grob die doppelte, für 45 Grad die dreifache Normleistung gegenüber der Raumheizlast. Das lässt sich fast immer durch einen tieferen Typ erreichen, ohne dass der Heizkörper länger oder höher wird.

Sind Gebläsekonvektoren besser als große Flachheizkörper?

Sie sind leistungsfähiger, aber nicht komfortabler. Ein Ventilator holt aus derselben Baugröße ein Vielfaches an Leistung und ist die Lösung, wenn kein Platz für einen größeren Heizkörper ist oder die Zieltemperatur unter 40 Grad liegen soll. Dafür brauchen sie Strom, bewegen Luft, wirbeln Staub auf und sind hörbar – im Schlafzimmer ein echtes Argument. Außerdem kommen Filterreinigung und, bei Nutzung zum Kühlen, ein Kondensatablauf hinzu.

Wird der Heizkörpertausch mitgefördert?

Ja, wenn er im Zusammenhang mit dem Einbau der Wärmepumpe erfolgt. Die Anpassung des Wärmeverteilsystems gehört zu den förderfähigen Umfeldmaßnahmen der Heizungsförderung und wird mit demselben Fördersatz bezuschusst wie die Wärmepumpe selbst – also mit mindestens 30 Prozent. Beachten Sie aber die förderfähigen Höchstkosten von 28.000 Euro für die erste Wohneinheit: Wer sie mit der Anlage schon ausschöpft, bekommt für die Heizkörper nichts mehr dazu.

Brauche ich statt neuer Heizkörper besser eine Fußbodenheizung?

Nachträglich selten. Eine Fußbodenheizung senkt die Vorlauftemperatur weiter und ist der komfortablere Weg, kostet im Bestand aber ein Vielfaches des Heizkörpertauschs, weil Bodenaufbau, Türhöhen und Bodenbeläge betroffen sind. Wirtschaftlich sinnvoll ist sie fast nur dort, wo der Raum ohnehin saniert wird. Für die Wirtschaftlichkeit der Wärmepumpe reicht es aus, die Auslegungstemperatur mit Heizkörpern auf 50 bis 55 Grad zu bringen.