Wärmepumpenmarkt

Ratgeber · 10 Minuten

Wärmepumpe im Haus aufstellen: Die Füllmenge entscheidet, nicht der Platz

Wer draußen keinen zulässigen Standort findet, denkt an den Keller. Die Übersichten im Netz beantworten dann die Platzfrage – zwei mal zwei Meter, zwei Wanddurchbrüche, fertig. Die Frage, an der die Innenaufstellung tatsächlich scheitert, stellen sie nicht: Wie viel Kältemittel darf überhaupt ins Haus? Bei Propan liegt die Antwort unter dem, was ein normaler Monoblock enthält – und das verschiebt die ganze Planung.

Die Frage vor der Platzfrage

Fast alle neuen Luft-Wasser-Wärmepumpen arbeiten mit dem Kältemittel R290, also Propan. Draußen ist das unproblematisch: Der Kreis ist geschlossen und fabrikgefüllt, und der Schutzbereich um das Gerät regelt den Rest. Sobald das Gerät ins Haus wandert, wandert der Kältekreis mit – und damit gilt eine Grenze, die mit dem verfügbaren Platz nichts zu tun hat.

Maßgeblich ist die Gerätenorm EN/IEC 60335-2-40. Sie leitet ihre Schwellen aus der unteren Zündgrenze von Propan ab, die mit rund 0,038 kg/m³ angegeben wird, und kennt für die Aufstellung im Gebäude drei Bereiche:

Füllmenge im GerätWas daraus folgt
bis rund 0,152 kg (vierfache Zündgrenze)keine Beschränkung durch die Raumgröße – eine Quelle vergleicht es mit einem handelsüblichen Kühlschrank
bis rund 0,988 kg (26-fache Zündgrenze)zulässig in Abhängigkeit von der Bodenfläche des Aufstellraums, nach einer Tabelle der Norm
darübernur mit Sicherheitskonzept – genannt werden Gassensorik, Zwangslüftung im Auslösefall und Anforderungen an die Elektrik im Aufstellraum

Die erste Schwelle begegnet Ihnen in Ratgebern meist als „150 Gramm“, und das ist eine zulässige Rundung. Die zweite wird fast nie genannt – und die Tabelle selbst, die zwischen den beiden Schwellen über die nötige Bodenfläche entscheidet, war über frei zugängliche Quellen nicht zu verifizieren. Dieser Artikel beziffert sie deshalb nicht.

Entscheidend ist ohnehin ein anderer Vergleich. Ein Luft-Wasser-Monoblock für ein Einfamilienhaus enthält rund 1 bis 1,6 Kilogramm Propan – Werte, die auch die Marktübersichten im Artikel zum Kältemittel R290 oder R32 nennen. Das liegt nicht knapp, sondern deutlich über beiden Schwellen. Die Bodenflächen-Tabelle hilft hier also gar nicht weiter: Ein handelsüblicher Monoblock ist im Haus ein Fall für das Sicherheitskonzept, nicht für die Raumberechnung. Eine Quelle hält die Innenaufstellung von R290-Monoblöcken im Wohnbereich ausdrücklich für unüblich.

Die Formel, die überall steht und nicht stimmt

An dieser Stelle lohnt eine Warnung, weil die betreffende Formel in auffällig vielen Ratgebern steht: „Zulässige Füllmenge = Raumvolumen × 0,038 kg/m³“. Sie sieht normnah aus, weil die Zahl 0,038 tatsächlich aus der Norm stammt. Sie ist trotzdem nicht die Rechenvorschrift der Norm, die auf die Bodenfläche und die Aufstellungsart abstellt, nicht auf das Raumvolumen.

Wie wenig belastbar sie ist, zeigt sich an den Quellen selbst, die sie verwenden. Für denselben Beispielraum von 50 Kubikmetern kommt eine Übersicht auf rund 1,9 Kilogramm zulässige Füllmenge, eine andere auf rund 0,38 Kilogramm. Das ist ein Faktor zehn, und mindestens eine der beiden Angaben ist schlicht falsch gerechnet.

Vier Bauwege, drei davon brauchbar

Die Füllmengengrenze schließt die Innenaufstellung nicht aus. Sie verschiebt nur, welche Bauart dafür infrage kommt. Vier Wege gibt es, und sie unterscheiden sich vor allem in einem Punkt: ob Propan ins Haus kommt.

BauwegKältekreisLuftkanäle nötig?Der Haken
Gerät, das für die Innenaufstellung entwickelt istim Haus, Füllmenge klein gehaltenJa, zweiModellauswahl begrenzt; Füllmenge im Datenblatt prüfen
Kältekreis bleibt draußen (Split oder Hydrosplit)außenNeinein Gerät steht trotzdem draußen – löst das Problem nur, wenn es klein sein darf
Sole-Wasser- oder Wasser-Wasser-Wärmepumpeim HausNeinErschließung über Bohrung oder Kollektor – teurer und genehmigungspflichtig
Üblicher Propan-Monoblock im Hausim Haus, 1 bis 1,6 kgJa, zweiüber beiden Normschwellen – Sicherheitskonzept, in Wohnbauten unüblich

Der dritte Weg wird in der Diskussion um „Innenaufstellung“ regelmäßig vergessen, obwohl er die Frage am saubersten löst: Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe steht immer innen. Sie hat keinen Ventilator, keine Luftkanäle, keine Wanddurchbrüche und keinen Schall nach außen. Wer gar keine nutzbare Außenfläche hat, sollte deshalb nicht zuerst nach dem Luftkanal fragen, sondern die Erdwärme rechnen lassen – mit dem bekannten Preis, dass die Erschließung die Investition deutlich nach oben zieht. Welche Bauarten es gibt und was sie unterscheidet, steht in den Grundlagen zu den Bauarten.

Beim zweiten Weg lohnt eine nüchterne Einordnung: Wenn der Kältekreis draußen bleibt und nur Wasser ins Haus geführt wird, entfällt die Füllmengenfrage im Gebäude vollständig. Das ist planerisch der bequemste Ausweg – aber es bleibt ein Gerät im Freien. Für ein Haus ohne jede Außenfläche löst dieser Weg das Problem nicht, für ein Reihenhaus, in dem nur ein sehr knapper Platz zur Verfügung steht, oft schon.

Luftkanäle und Durchbrüche

Steht die Entscheidung für ein luftgeführtes Gerät im Haus, braucht es zwei Wanddurchbrüche: einen für die angesaugte Außenluft, einen für die abgekühlte Abluft. Mehrere Quellen empfehlen übereinstimmend, sie an unterschiedlichen Hausseiten anzulegen oder weit zu trennen. Der Grund ist nicht Ästhetik, sondern Physik: Wird die abgekühlte Abluft wieder angesaugt, sinkt die Quelltemperatur, und mit ihr die Arbeitszahl – ein Kurzschluss, der sich über die gesamte Lebensdauer in der Stromrechnung bemerkbar macht.

Zu den Querschnitten gehen die Angaben auseinander. Genannt werden Kanäle von etwa 50 × 50 bis 80 × 80 Zentimetern, in anderen Übersichten mindestens rund 0,6 Quadratmeter freier Querschnitt je Kanal beziehungsweise Rundkanäle der Größenordnung DN 500 bis 630. Diese Spanne ist kein Widerspruch, sondern eine Folge der Gerätegröße: Maßgeblich ist der Luftvolumenstrom des gewählten Geräts, und der hängt an seiner Leistung. Verbindlich ist die Herstellerunterlage, nicht die Übersicht.

Zwei Dinge gehören trotzdem in jede Planung. Erstens kosten Umlenkungen und Engstellen Druck, und Druckverlust kostet Ventilatorstrom – also Arbeitszahl. Ein kurzer, gerader Kanal ist nicht nur billiger, er ist dauerhaft effizienter. Zweitens sind die Durchbrüche Kernbohrungen durch eine Außenwand und müssen anschließend luftdicht und wärmebrückenarm geschlossen werden; an einer schlecht ausgeführten Anschlussfuge entsteht genau dort Kondensat, wo niemand hinsieht.

Passender RechnerHeizlast überschlagenDie Gerätegröße bestimmt den Luftvolumenstrom und damit den Kanalquerschnitt – und die Gerätegröße folgt aus der Heizlast. Wer vor der Standortfrage die Heizlast überschlägt, merkt früh, ob das Gerät überhaupt in den vorgesehenen Raum und durch die geplanten Kanäle passt.

Körperschall: das eigentliche Risiko

Dass die Innenaufstellung „leiser“ sei, ist die häufigste Halbwahrheit zum Thema. Für die Nachbarschaft stimmt es meist: Das Gerät steht hinter einer Wand, und Fachstellen sehen im Innenbetrieb niedrigere Immissionswerte. Sie weisen aber im selben Zug darauf hin, dass die Ansaug- und Ausblasöffnungen ins Freie selbst zur Störquelle werden können – der Schall verschwindet nicht, er wandert an die Öffnung. Welche Grenzwerte dabei gelten und wie Abstände wirken, steht im Artikel zur Lautstärke und zum Schallschutz.

Für Sie selbst kommt ein Übertragungsweg hinzu, den die Außenaufstellung überhaupt nicht hat: Körperschall. Verdichter und Ventilator regen die Decke an, auf der das Gerät steht; das Bauteil leitet die Schwingung weiter und strahlt sie irgendwo anders als Luftschall wieder ab. Deshalb ist der Raum über dem Aufstellort oft stärker betroffen als der Raum daneben – und deshalb ist ein Aufstellort unter einem Schlafzimmer die typische Fehlentscheidung.

Die Gegenmaßnahmen sind bekannt und in den Quellen konsistent: Schwingungsentkopplung unter dem Gerät, vollflächig aufliegende Füße auf einem ebenen und tragfähigen Untergrund, flexible Verbindungsschläuche an den Wasseranschlüssen statt starrer Verrohrung. Wichtig ist der Zeitpunkt – entkoppelt wird beim Einbau. Nachträglich ist Körperschall der am schwersten zu korrigierende Fehler der ganzen Anlage, weil der Übertragungsweg im Bauteil liegt und nicht im Gerät.

Kondensat, Frost und der Raum selbst

Im Heizbetrieb entzieht die Wärmepumpe der Außenluft Feuchtigkeit, die als Kondensat anfällt; beim Abtauen des Verdampfers kommt Schmelzwasser hinzu. Zur Menge streuen die Angaben erheblich – genannt werden rund 10 bis 20 Liter am Tag, in einer Quelle bis zu 50 Liter. Verlassen Sie sich deshalb nicht auf eine Zahl, sondern auf einen Ablauf, der die Spitzenmenge sicher abführt: frostsichere Leitung mit Siphon, Gefälle, Anschluss an die Kanalisation, zugänglich zur Reinigung. Ein Raum ohne Abfluss ist kein Aufstellraum.

Für den Raum selbst gilt: Die Angaben zum Platzbedarf reichen von rund 1 bis 2 Quadratmetern für das Gerät allein bis zu etwa 2 × 2 Metern und mehr, wenn Bedien- und Wartungsabstände mitgezählt werden – genannt werden hier 50 bis 80 Zentimeter Wandabstand. Diese Spanne ist weniger ein Widerspruch als eine Frage dessen, was mitgerechnet wird; planen Sie mit dem größeren Wert, weil die Wartung sonst jedes Mal zum Umbau wird. Unbeheizte oder feuchte Räume sind nach Aussage mehrerer Quellen schlecht geeignet.

Und ein Punkt, der in den Kostenübersichten untergeht: Der Raum ist danach kein Hobbyraum mehr. Wer den Keller als Wohnreserve betrachtet, verliert hier Fläche, die in den Vergleichsrechnungen nirgends auftaucht. Was eine Anlage insgesamt kostet und welche Posten in den Angeboten regelmäßig fehlen, steht im Artikel zu den Kosten im Einfamilienhaus.

Wann sich der Weg lohnt

Zu den Kosten lässt sich wenig Belastbares sagen, und das gehört offen gesagt: Die Angaben in den Übersichten reichen vom Gerät allein über Paketpreise bis zu Komplettangaben, die um mehr als den Faktor drei auseinanderliegen. Eine Zahl daraus zu mitteln, wäre eine Scheingenauigkeit. Belastbar ist nur die Richtung: Der Aufpreis gegenüber der Außenaufstellung entsteht aus Kernbohrungen, Luftkanälen, Schallschutzmaßnahmen und dem Kondensatanschluss – also aus Bauarbeiten, deren Preis am Haus hängt und nicht am Gerät. Lassen Sie diese Posten im Angebot einzeln ausweisen.

Drei Fälle lassen sich sauber trennen. Bleibt draußen ein zulässiger Standort, nehmen Sie ihn – die Außenaufstellung ist billiger, einfacher und hat kein Körperschallproblem. Fehlt dieser Standort nur knapp, etwa weil der Schutzbereich den einen möglichen Platz ausschließt, lohnt zuerst der Blick auf den Bauweg mit Kältekreis im Freien. Fehlt jede Außenfläche, konkurriert die luftgeführte Innenaufstellung nicht mit der Außenaufstellung, sondern mit der Erdwärme – und diese Rechnung geht öfter zugunsten der Erdwärme aus, als die Luftkanal-Ratgeber vermuten lassen.

Häufige Fragen

Darf eine Propan-Wärmepumpe im Keller stehen?

Das hängt allein an der Füllmenge des Geräts, nicht an Ihrem Wunsch nach einem Standort. Die einschlägige Gerätenorm EN/IEC 60335-2-40 arbeitet mit zwei Schwellen, die sich aus der unteren Zündgrenze von Propan ableiten: Bis rund 0,152 kg – häufig als 150 Gramm zitiert – ist die Aufstellung im Haus ohne besondere bauliche Vorkehrungen möglich. Bis rund 0,988 kg ist sie von der Bodenfläche des Aufstellraums abhängig. Darüber braucht es ein Sicherheitskonzept. Übliche Luft-Wasser-Monoblöcke für ein Einfamilienhaus enthalten rund 1 bis 1,6 Kilogramm Propan und liegen damit über beiden Schwellen. Für sie ist der Keller der falsche Ort. Verbindlich ist immer die Montageanleitung des konkreten Geräts.

Stimmt die Formel „Raumvolumen mal 0,038 kg pro Kubikmeter“?

Nein, darauf sollten Sie nicht bauen. Die Zahl 0,038 kg/m³ ist die untere Zündgrenze von Propan und geht in die Schwellenwerte der Norm ein, aber nicht als einfache Multiplikation mit dem Raumvolumen. Die Norm stellt auf die Bodenfläche und die Aufstellungsart ab, nicht auf das Volumen. Wie unbrauchbar die Kurzformel ist, zeigt ein Vergleich der Ratgeber, die sie verwenden: Für denselben Raum von 50 Kubikmetern nennt eine Quelle rund 1,9 Kilogramm, eine andere rund 0,38 Kilogramm – ein Faktor zehn Unterschied. Mindestens eine der beiden Angaben ist falsch, und beide stammen nicht aus dem Normtext.

Wie viele Wanddurchbrüche braucht die Innenaufstellung?

Zwei: einen für die angesaugte Außenluft, einen für die abgekühlte Abluft. Mehrere Quellen empfehlen übereinstimmend, sie an unterschiedlichen Hausseiten anzulegen oder weit voneinander zu trennen, damit die kalte Abluft nicht sofort wieder angesaugt wird – dieser Kurzschluss kostet unmittelbar Arbeitszahl. Zu den Querschnitten gehen die Angaben auseinander: genannt werden Kanäle von etwa 50 × 50 bis 80 × 80 Zentimetern beziehungsweise mindestens rund 0,6 Quadratmeter freier Querschnitt je Kanal. Maßgeblich ist der Luftvolumenstrom des gewählten Geräts und damit die Herstellerunterlage.

Ist die Wärmepumpe im Haus leiser als draußen?

Für die Nachbarschaft in der Regel ja, für Sie selbst nicht zwangsläufig. Nach außen verlagert sich der Schall auf die Ansaug- und Ausblasöffnungen, die nach Aussage von Fachstellen selbst zur Störquelle werden können. Im Haus kommt dafür ein Übertragungsweg hinzu, den die Außenaufstellung überhaupt nicht hat: Körperschall. Verdichter und Ventilator regen die Decke an, auf der das Gerät steht, und das Bauteil trägt die Schwingung weiter – häufig in einen Raum, der nicht neben dem Aufstellraum liegt, sondern darüber. Deshalb gehören Schwingungsentkopplung, flexible Anschlüsse und ein tragfähiger, ebener Untergrund in jedes Angebot.

Wie viel Kondensat fällt im Haus an und wohin läuft es?

Im Heizbetrieb entzieht die Wärmepumpe der Außenluft Feuchte, die als Kondensat anfällt; beim Abtauen kommt das Schmelzwasser hinzu. Die Angaben zur Menge streuen erheblich – genannt werden rund 10 bis 20 Liter am Tag, in einer Quelle bis zu 50 Liter. Verlassen Sie sich hier nicht auf eine Zahl, sondern auf einen Ablauf, der die Spitzenmenge sicher abführt: frostsichere Leitung mit Siphon in die Kanalisation, mit Gefälle und zugänglich zur Reinigung. Ein Ablauf, der im Keller endet, ist kein Ablauf. Das ist der Punkt, an dem die Innenaufstellung in der Praxis am häufigsten unangenehm wird.

Wann ist die Innenaufstellung die richtige Wahl?

Wenn draußen kein zulässiger Standort bleibt – etwa im Reihenhaus ohne eigene Außenfläche oder dort, wo der Schutzbereich um das Gerät jeden erreichbaren Platz ausschließt – und wenn Sie im Haus einen Raum haben, der zwei Außenwände erreicht, einen Abfluss hat und über keinem Schlafzimmer liegt. Fehlt dieser Raum, ist die ehrlichere Antwort meist nicht die Innenaufstellung mit Luftkanälen, sondern ein anderer Bauweg: Kältekreis draußen und nur Wasser im Haus, oder eine Sole-Wasser-Wärmepumpe, die ohnehin innen steht und keine Luftkanäle braucht.