Wärmepumpenmarkt

Ratgeber · 8 Minuten

Stromverbrauch einer Wärmepumpe: realistisch berechnen statt schätzen

Kaum eine Zahl wird in Angeboten und Foren wilder durcheinandergeworfen. Dabei ist der Stromverbrauch keine Schätzfrage, sondern das Ergebnis einer Division aus zwei Größen – und beide können Sie für Ihr Haus selbst bestimmen.

Die Formel

Der gesamte Stromverbrauch steckt in einer Zeile:

Beide Größen sind für Ihr Haus ermittelbar. Den Wärmebedarf verrät Ihre bisherige Heizung: Der Gas- oder Ölverbrauch der letzten Jahre, bereinigt um die Kesselverluste, ist die genaueste Quelle, die es gibt – unser Heizlastrechner übernimmt die Umrechnung. Die Jahresarbeitszahl hängt vor allem von Wärmequelle und Vorlauftemperatur ab; im Bestand mit normalen Heizkörpern sind bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe rund 3 realistisch, mit Fußbodenheizung knapp 4.

Ein Beispiel: 18.000 Kilowattstunden Wärmebedarf geteilt durch eine Arbeitszahl von 3,0 ergeben 6.000 Kilowattstunden Strom. Bei 25 Cent im Wärmepumpentarif sind das 1.500 Euro Heizkosten im Jahr. Diese Rechnung können Sie mit jeder Verbrauchsangabe aus jedem Angebot machen – und sofort sehen, ob die Zahlen zusammenpassen.

Typische Werte nach Haustyp

Zur Einordnung vier durchgerechnete Beispielhäuser, jeweils mit Luft-Wasser-Wärmepumpe und Warmwasser über die Anlage, Strom zu 25 Cent je Kilowattstunde:

HausWärmebedarfJAZStrom/JahrKosten/Jahr
Neubau 120 m², Fußbodenheizung8.000 kWh3,8ca. 2.100 kWhca. 530 €
Saniertes Haus 150 m², große Heizkörper15.000 kWh3,3ca. 4.500 kWhca. 1.140 €
Teilsanierter Altbau 150 m², normale Heizkörper21.000 kWh3,0ca. 7.000 kWhca. 1.750 €
Unsanierter Altbau 180 m², kleine Heizkörper30.000 kWh2,7ca. 11.100 kWhca. 2.780 €

Die Spannweite ist der eigentliche Befund: Zwischen dem Neubau und dem unsanierten Altbau liegt der Faktor fünf. Wer den Verbrauch „einer Wärmepumpe“ ohne Blick auf das Haus beziffert, rät.

Passender RechnerIhre Zahlen statt BeispielzahlenDer Kostenrechner ermittelt Verbrauch und Jahreskosten aus Ihrem Wärmebedarf – und vergleicht über 20 Jahre mit Gas, Öl und Pellets.

Warum das Datenblatt nicht Ihre Rechnung ist

In Prospekten stehen COP-Werte von 4,5 oder 5 – gemessen im Labor bei sieben Grad Außenluft und 35 Grad Vorlauf. Ihre Stromrechnung entsteht aber im Januar bei minus fünf Grad, mit 52 Grad fürs Warmwasser, mit Abtauzyklen und dem Strom der Umwälzpumpen. Zwischen Datenblatt-COP und realer Jahresarbeitszahl liegen deshalb regelmäßig 20 bis 30 Prozent. Rechnen Sie Angebote immer mit einer realistischen JAZ nach, nicht mit dem Prospektwert – die Hintergründe erklärt unser Artikel zur Jahresarbeitszahl.

Der richtige Stromtarif

Beim Preis je Kilowattstunde liegt der zweite große Hebel. Normaler Haushaltsstrom kostet derzeit meist über 30 Cent – spezielle Wärmepumpentarife je nach Anbieter und Region eher 20 bis 28 Cent. Voraussetzung ist in der Regel ein eigener Zähler für die Wärmepumpe.

Dazu kommt der steuerbare Netzanschluss nach § 14a EnWG: Der Netzbetreiber darf die Anlage in Engpässen kurzzeitig dimmen, im Gegenzug sinken die Netzentgelte – je nach Netzgebiet um grob 100 bis 200 Euro im Jahr. Für neue Wärmepumpen ist die Steuerbarkeit ohnehin vorgesehen; die Ersparnis sollte man mitnehmen. Bei 6.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch machen fünf Cent Preisunterschied 300 Euro aus – der Tarifvergleich lohnt hier mehr als bei jedem anderen Stromverbraucher im Haus.

Sechs Stellschrauben im Betrieb

Nach dem Einbau ist der Verbrauch kein Schicksal. Diese sechs Punkte holen in der Praxis am meisten – die ersten drei kosten nichts:

  1. Heizkurve schrittweise absenken. In kleinen Schritten flacher stellen, bis der kritischste Raum gerade noch warm wird. Jedes eingesparte Grad Vorlauf sind rund zweieinhalb Prozent Strom.
  2. Thermostate offen lassen. Weit geöffnete Ventile verteilen die Wärme über große Flächen bei niedriger Temperatur. Zugedrehte Ventile zwingen die Anlage, heißer zu fahren – das Gegenteil von Sparen.
  3. Nachtabsenkung streichen oder abflachen. Was nachts gespart wird, muss morgens mit hohem Vorlauf nachgeheizt werden. Wärmepumpen mögen gleichmäßigen Betrieb.
  4. Warmwassertemperatur maßvoll wählen. 50 bis 52 Grad im Speicher genügen im Einfamilienhaus meist; jede unnötige Erhöhung kostet überproportional. Die Zirkulationspumpe auf Zeitfenster statt Dauerlauf stellen.
  5. Hydraulischen Abgleich machen lassen – falls noch nicht geschehen. Die günstigste Effizienzmaßnahme überhaupt.
  6. Arbeitszahl einmal jährlich kontrollieren.Wärmemenge durch Stromverbrauch teilen und mit dem Vorjahr vergleichen. Ein schleichender Abfall verrät Einstellungs- oder Anlagenprobleme, lange bevor sie teuer werden.

Häufige Fragen

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus?

Für ein typisches Einfamilienhaus mit 140 bis 150 Quadratmetern liegen realistische Werte zwischen 4.000 und 7.000 Kilowattstunden im Jahr – je nach Dämmzustand, Heizflächen und Warmwasserbedarf. Ein sehr gut gedämmter Neubau kommt mit unter 3.000 Kilowattstunden aus, ein kaum sanierter Altbau kann über 9.000 brauchen. Pauschale Angaben ohne Blick auf den Wärmebedarf des konkreten Hauses sind wertlos.

Warum verbraucht meine Wärmepumpe im Winter so viel mehr?

Aus zwei Gründen gleichzeitig: Das Haus braucht bei Kälte mehr Wärme, und die Wärmepumpe arbeitet bei kalter Außenluft mit schlechterer Arbeitszahl, weil der Temperatursprung größer wird. Beide Effekte multiplizieren sich – deshalb entfallen auf Dezember bis Februar oft 40 bis 50 Prozent des Jahresverbrauchs. Das ist normal und kein Defekt.

Wie messe ich den Verbrauch meiner Anlage richtig?

Mit zwei Zählern: einem Stromzähler für die Wärmepumpe (bei separatem Wärmepumpentarif ohnehin vorhanden) und einem Wärmemengenzähler am Ausgang der Anlage. Der Quotient aus gelieferter Wärme und verbrauchtem Strom über zwölf Monate ist Ihre echte Jahresarbeitszahl. Viele moderne Geräte zeigen beide Werte in der App – die interne Messung schmeichelt allerdings oft um einige Prozent.

Wie stark schlägt der Heizstab zu Buche?

Bei einer korrekt ausgelegten Anlage kaum: Der elektrische Zusatzheizer soll nur an wenigen extrem kalten Tagen und bei der Legionellenschaltung anspringen, typisch sind unter fünf Prozent des Jahresverbrauchs. Läuft er regelmäßig, stimmt etwas nicht – meist ist die Wärmepumpe zu klein ausgelegt oder falsch eingestellt. Ein eigener Blick auf den Heizstab-Zähler in der Geräteanzeige lohnt sich einmal im Winter.

Machen Sperrzeiten des Netzbetreibers den Verbrauch teurer?

Nein, eher im Gegenteil. Während der Sperrzeit verbraucht die Anlage nichts, danach holt sie die Wärme nach – der Jahresverbrauch bleibt praktisch gleich. Im Gegenzug gibt es beim steuerbaren Anschluss nach § 14a EnWG reduzierte Netzentgelte, die die Stromrechnung je nach Netzgebiet spürbar entlasten. Wichtig ist nur, dass die Anlage mit Leistungsreserve für die Nachholzeit ausgelegt wurde.