Wärmepumpenmarkt

Grundlagen

Die Jahresarbeitszahl – eine Zahl, Ihre ganze Stromrechnung

Die Jahresarbeitszahl sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme Ihre Anlage aus einer Kilowattstunde Strom macht. Bei einer JAZ von 4 zahlen Sie ein Viertel dessen, was Sie an Wärme bekommen. Bei einer JAZ von 2,5 die Hälfte. Zwischen diesen beiden Häusern liegen über zwanzig Jahre schnell 20.000 Euro.

Sehen Sie den Zusammenhang selbst

Verschieben Sie die Vorlauftemperatur und beobachten Sie, wie steil die Kurve nach unten geht. Genau diese Steigung ist der Grund, warum sich Arbeit an den Heizflächen fast immer lohnt.

2,03,04,05,06,030 °C40 °C50 °C60 °C70 °CVorlauftemperatur bei AuslegungJAZJAZ 2,9
Wärmequelle
55°C

Die Temperatur, die Ihre Heizung am kältesten Tag des Jahres braucht. Über die Heizperiode gemittelt läuft die Anlage bei rund 45 °C.

2870
Strom pro Jahr6.826kWh
Heizkosten1.707 €
10 °C weniger Vorlauf200 €gespart

Beispielhaus mit 20.000 kWh Wärmebedarf im Jahr, Strom zu 25 ct/kWh.

Welche Werte realistisch sind

Die folgenden Werte gelten für gut geplante und sauber eingestellte Anlagen. Sie enthalten bereits die Warmwasserbereitung, Abtauzyklen und den Strom für die Umwälzpumpen.

SituationLuftErdwärme
Neubau mit Fußbodenheizung, 35 °C3,7 – 4,04,5 – 4,9
Saniert, große Heizkörper, 45 °C3,2 – 3,43,9 – 4,2
Bestand, normale Heizkörper, 55 °C2,8 – 3,03,4 – 3,7
Bestand, kleine Heizkörper, 65 °C2,5 – 2,73,1 – 3,3

Was die Jahresarbeitszahl bestimmt

Vier Größen entscheiden fast alles. Sie stehen hier in der Reihenfolge ihres Einflusses:

  1. Die Vorlauftemperatur. Jedes Grad weniger spart rund zweieinhalb Prozent Strom. Das ist der mit Abstand größte Hebel und liegt vollständig in Ihrer Hand.
  2. Die Wärmequelle. Erdreich und Grundwasser bleiben im Winter warm, Außenluft nicht. Der Unterschied macht 20 bis 25 Prozent aus – kostet aber fünfstellig in der Erschließung.
  3. Der Warmwasseranteil. Warmwasser braucht immer rund 52 Grad. Je besser das Haus gedämmt ist, desto stärker drückt dieser Anteil die Gesamtarbeitszahl.
  4. Die Hydraulik. Ein fehlender hydraulischer Abgleich, zu klein dimensionierte Rohre oder eine unnötige hydraulische Weiche kosten mehrere Zehntel Arbeitszahl.

So verbessern Sie Ihre Arbeitszahl

Diese Maßnahmen wirken auch noch nach dem Einbau – die ersten beiden kosten fast nichts:

  • Heizkurve abflachen. Senken Sie die Heizkurve in kleinen Schritten, bis die kritischen Räume gerade noch warm werden. Jeder Schritt spart Geld.
  • Thermostatventile öffnen. Weit geöffnete Ventile verteilen die Wärme über große Flächen bei niedriger Temperatur. Zugedrehte Ventile zwingen die Anlage, den Vorlauf anzuheben.
  • Nachtabsenkung reduzieren. Was nachts gespart wird, muss morgens mit hohem Vorlauf nachgeheizt werden. Bei Wärmepumpen ist gleichmäßiger Betrieb fast immer günstiger.
  • Hydraulischen Abgleich machen lassen. Die günstigste Effizienzmaßnahme überhaupt und ohnehin Fördervoraussetzung.
  • Einzelne Heizkörper tauschen. Meist genügen zwei bis drei Räume, um die nötige Vorlauftemperatur um zehn Grad zu senken – das sind rund 25 Prozent der Heizkosten.
Passender RechnerWas das in Euro bedeutetDer Kostenrechner übersetzt Ihre Arbeitszahl in einen Kostenverlauf über bis zu 30 Jahre – im Vergleich zu Gas, Öl oder Pellets.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen COP, SCOP und JAZ?

Der COP ist eine Momentaufnahme aus dem Prüflabor bei genau definierten Bedingungen, etwa 7 Grad Außenluft und 35 Grad Vorlauf. Der SCOP rechnet mehrere solcher Prüfpunkte zu einem Jahreswert hoch, bleibt aber ein Normwert aus dem Labor. Die Jahresarbeitszahl dagegen ist ein Messwert aus dem echten Betrieb: gelieferte Wärme geteilt durch verbrauchten Strom über ein volles Jahr, inklusive Abtauen, Pumpen und Regelungsverlusten. Für Ihre Stromrechnung zählt nur die JAZ.

Welche Jahresarbeitszahl ist gut?

Im Bestand mit Heizkörpern gelten 3,0 als solide und 3,5 als gut. Mit Fußbodenheizung sind 4,0 und mehr erreichbar. Erdwärmeanlagen liegen typischerweise 20 bis 25 Prozent darüber. Unter 2,5 wird es wirtschaftlich eng – dann sollten Sie vor dem Einbau an den Heizflächen arbeiten. Feldstudien an realen Anlagen finden im Bestandsmittel rund 3,1 für Luft-Wasser- und rund 4,1 für Sole-Wasser-Wärmepumpen.

Warum erreicht meine Anlage nicht den Wert aus dem Datenblatt?

Weil das Datenblatt einen Laborwert bei günstigen Bedingungen nennt. In der Praxis kommen niedrigere Außentemperaturen, höhere Vorlauftemperaturen, die Warmwasserbereitung mit rund 52 Grad, Abtauzyklen sowie der Strom für Umwälz- und Solepumpen hinzu. Ein Unterschied von 20 bis 30 Prozent zwischen Datenblatt-COP und realer Jahresarbeitszahl ist normal.

Senkt die Warmwasserbereitung die Jahresarbeitszahl?

Ja, deutlich. Warmwasser braucht rund 52 Grad – unabhängig davon, wie gut Ihr Haus gedämmt ist. In einem sehr effizienten Haus mit Fußbodenheizung, das nur 30 Grad Vorlauf für die Heizung braucht, drückt der Warmwasseranteil die Gesamtarbeitszahl daher spürbar. Wer viel Warmwasser braucht, sollte prüfen, ob eine Frischwasserstation oder Solarthermie den Anteil senken kann.

Wie kann ich die Jahresarbeitszahl nachträglich verbessern?

Der wirksamste Hebel ist das Absenken der Vorlauftemperatur: hydraulischer Abgleich, flachere Heizkurve, und in den Räumen, die als erste auskühlen, größere Heizkörper. Zweitens: Thermostatventile im Betrieb weit offen lassen, damit die Wärme über große Flächen bei niedriger Temperatur abgegeben wird. Drittens: keine oder nur eine flache Nachtabsenkung, weil das morgendliche Aufheizen einen hohen Vorlauf erzwingt.